Augstein

Ein Antisemit? Solange das Teströhrchen in der Apotheke noch nicht käuflich ist – reinpinkeln und wenn es sich braun verfärbt ist der Proband Antisemit – äußere ich mich nicht. Augstein ist aber auf jeden Fall so eine Art männliche Ulrike Meinhof (vor dem Terror): er will der linke Star-Kolumnist sein und muss zwanghaft alles noch einmal genauso durchdeklinieren, wie es Generationen von Linken vor ihm getan haben.

„Links“ ist für ihn eine Art Fetischismus, alles kreist darum. Aber  er will ein großbürgerlicher Linker sein, eine Lebensform, die ja auch Meinhof eine zeitlang mit ihrem Blankenese-Kommunismus ausprobierte. Auf einer Parteiversammlung der „Linken“ würde dieser „Linke“ nicht glücklich werden – das geht wohl jedem Menschen so, der bis drei zählen kann. Insofern ist Augstein eine Art Lifestyle-Linker.

Er findet allerdings im wesentlichen alles genauso beschissen, wie die Partei-„Linke“: Demokratie: alles nur formal, eine Täuschung. Die Macht hat das Kapital. Kapitalismus: scheisse. USA: scheisse. Terror: eine Erfindung der Mächtigen, um von ihren Schweinereien abzulenken. Usw. usf.

Aber in dieser Weise Linkssein, geht halt nur als Parodie mit zwei Travestiekünstlerm: Augstein und Fleischhauer.

Deshalb ist das ganze bei SPON verpackt als ewiger Dualismus, als lustiges Zitat der 60er- und 70er-Jahre, als es tatsächlich noch so was gab wie „Sozifresser“, die halt einfach und ohne Begründung „die Roten“ nicht mögen und „Salonlinke“, die gegenhalten: den Sozifresser spielt Fleischhauer, den anderen Augstein.

Im Fernsehen wird der Sozifresser von Blome gegeben. Interessant, dass Augstein vor allem im Rahmen dieser Doppelpacks in Erscheinung tritt.

Insofern ist „Augstein“ eine Kunstfigur. Eine Kunstfigur, die mit ihren Co-Parodisten Konfliktlinien der 60er und 70er Jahre nachstellt.

Der Titel „Im Zweifel links“, ein Zitat, mit dem Rudolf die Positionierung des Spiegels beschrieb, ist halt das Problem: wer Zeifel hat, hat eben Zweifel. Sich dann  automatisch aus dem Arsenal linker Meinungen der letzten 60 Jahre zu bedienen, führt halt dann in die Irre.

Wenn also Grass „von rechts“ (Springer) kritisiert wird, ja, dann muss ein Linker eben dagegenhalten: eine heile Konflikt-Welt der 60er Jahre, in die der linke Starkolumnist da hineingeraten ist. Aber Retro kommt halt gut an.

Evtl. ist Augstein ein Opfer dieser Idee von sich selbst. Wer immer neu Nachlegen muss beim Erstellen eigentlich gut abgehangener linker Thesen, wer immer dramatischer mit Edelfeder-Geschwurbel formulieren muss, denn für öde Pressemeldungen desselben Inhalts gibt es ja schon die Linkspartei, ja, der denkt wirklich, dass Günter Grass seine Fieberfantasien stellvertretend für uns hat aufschreiben müssen, um uns zu befreien.

So wie Jesus für unsere Sünden gebüßt hat. Bei Augstein ist Grass eine Art Jesus der Meinungsfreiheit: „Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen“. Amen.

Was für ein Kitsch, was für eine Übertreibung, was für ein – Quatsch. Kann es sein, dass, wenn einer eben vor allem Quatsch schreibt, das über Israel eben auch vor allem erst mal eins ist: Quatsch? Quatsch, der eben auch deshalb entseht, weil einer als Kunstfigur „Augstein“ gegen den ewigen Counterpart, den „Sozifresser“ anschreiben muss?

Solange der Röhrchen-Test nicht zu haben ist, sollte es bei dieser Feststellung bleiben.

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