Die hilflose Sprache des Krieges

Das Kommando Mullah Omar hat wieder zugeschlagen: „Wir, das Kommando Mullah Omar haben heute die Charaktermasken der faschistischen Bundeswehr, die in der Tradition des deutschen Imperialismus steht, angegriffen. Kommando Mullah Omar. Allah sagt: Ich war, ich bin, ich werde sein.“

Auf Taliban-Verlautbarungen im Christian-Klar-Stil warten wir zwar noch. Aber fast meint man, es hätte sie im RAF-Killertechnokratenjargon gegeben. Denn wenn man sich die Reaktionen der deutschen Politik auf tote deutsche Soldaten ansieht, könnte man zu dem Schluss kommen, die RAF hätte in Kunduz ein paar illegale Wohnungen angemietet und würde jetzt wieder Mercedes-Limousinen zerballern.

Natürlich sind deutsche Politiker unsicher, wenn es um die Sprache der Trauer um gefallene Soldaten geht. Die Angst vorm Sprachpathos sitzt den Deutschen aus bekannten Gründen im Nacken. Dennoch ist es seltsam, dass die Politik, wenn es um gefallene Soldaten geht, auf Floskeln aus der RAF-Zeit zurückgreift.

Das beginnt damit, dass von „Anschlägen“ die Rede ist, wo es um kriegerische Auseinandersetzungen geht zwischen einer Parlamentsarmee und irregulären Kombatanten. Und natürlich seien diese Anschläge, so hieß es übereinstimmend von Merkel und Westerwelle „hinterhältig“ und „feige“, so als würde irgendetwas besser werden, wenn es eine offene Feldschlacht gegen hätte und die „Anschläge“ mutig gewesen wären.

Und ganz nebenbei: man kann viel über die Taliban sagen. Aber feige, das sind die Latschenträger nun wirklich nicht. Ausser ein paar chinesischen Panzerfäusten und AK-47 haben sie nur Allahs Segen im Gepäck. Kein Kriegsvölkerrecht, keine zivilisatorischen Standards hemmt die unrasierte Killertruppe. Stattdessen lieben sie den Tod.

Westerwelle machte die altbekannte RAF-Betrauerungssprache perfekt, in dem er die Floskel anfügte, die „Anschläge“ hätten nicht nur den Soldaten gegolten, sondern dem gesamten deutschen Volk.

Wahrscheinlich ist es die reine und auch sehr verständliche Hilflosigkeit, die richtigen Worte zu finden angesichts der Toten. Aber Sprache ist nun mal das das große Vermittlungsinstrument der Politik.

Wäre ich ein Talib, ich würde mich ausschließlich auf die deutsche Bundeswehr konzentrieren. Denn die deutsche Politik ist noch noch nicht einmal in der Lage eine angemesse Trauersprache zu finden. Geschweige denn eine militärische Strategie um mit Allahs Killern fertig zuwerden. Noch zehn, zwanzig Tote und Deutschland kapituliert.

Vielleicht suggeriert die RAF-Sprache der deutschen Politik ja unbewusst eine Sehnsucht nach dem guten alten Terrorismus mit menschlichem Antlitz, ausgeführt durch studierte, irre Bürgerskinder. Gegen die musste man nur die GSG-9 ins Rennen schicken und am Ende eines Tages konnte „Ben Wisch“-Hans-Jürgen Wischnewski dem Kanzler vermelden: „Die Arbeit ist erledigt“.

Darauf werden wir dieses mal leider vergeblich warten.

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Eine Antwort zu Die hilflose Sprache des Krieges

  1. aron2201sperber schreibt:

    zum „Mut“ der Taliban muss ich schon ein wenig widersprechen:

    die Taliban kämpfen gegen einen Feind, dessen schlimmste Repressalie „Guantanamo“ ist – und selbst diese Repressalie wird es wohl bald nicht mehr geben

    es hat schon seine Gründe, warum sich der Widerstand gegen Hitler, Stalin, Saddam und den Taliban, als sie die Herrschaft noch hatten, sehr in Grenzen hielt.

    und es hatte seine Gründe, warum der „Widerstand gegen den BRD-Faschismus“ ausegerechnet gegen einen demokratischen Rechtsstaat, der sich skrupelhaft an seine prinzipien hielt, seinen Höhepunkt fand.

    die Geschichte dieses deutschen „Widerstands“ wartet noch auf eine Aufarbeitung:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2010/04/18/tourist-oder-terrorist/

    vielleicht könnte man aus dieser Aufarbeitung auch mehr über den Umgang mit dem „Taliban-widerstand“ lernen

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