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	<description>“Let us never negotiate out of fear. But let us never fear to negotiate&#34;</description>
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		<title>Gaddafi – eine Obsession des deutschen Extremismus</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 16:28:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jost Kaiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Gaddafi Grüne Rechtsextremismus Linksextremismus Rinser Mechtersheimer]]></category>

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		<description><![CDATA[Rechte wie Linke – alle fanden mal den Oberst gut Erst war er Prophet des Panarabismus und wollte in dieser Funktion Erbe Nassers werden. Doch für die Araber war die vielbeschworene Einheit immer nur Lippenbekenntnis gewesen, eine Sprechblase. Sie waren &#8230; <a href="http://jostkaiser.wordpress.com/2011/10/20/gaddafi-%e2%80%93-eine-obsession-des-extremismus/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=143&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Rechte wie Linke – alle fanden mal den Oberst gut</em></strong></p>
<p>Erst war er Prophet des Panarabismus und wollte in dieser Funktion Erbe Nassers werden. Doch für die Araber war die vielbeschworene Einheit immer nur Lippenbekenntnis gewesen, eine Sprechblase. Sie waren vielmehr der Meinung Ronald Reagans, der den Oberst einmal als „verrückten Hund“ bezeichnet hatte. Als Gaddafi das rausfand, hängte er sich, wenn er seine Hermann-Göring-Uniform nicht trug afrikanische Gewänder um. Oder das, was er dafür hielt. Er wollte nunmehr als Anführer des schwarzen Kontinents in die Geschichte eingehen. Ebenfalls ohne Erfolg.</p>
<p>Erfolg hatte er dafür vorhersehbar in einem notorisch verwirrten Milieu, das bis dato noch jeden Diktator gefeiert hatte, wenn er nur zwei Kriterien erfüllte: er sollte möglichst aus der „Dritten Welt“, mindestens aber aus der „Zweiten“ stammen und „Anti-Imperialist“ sein.<br />
1982, Mao war schon längst out, Luise Rinsers legendäre Nordkorea-Reise, nach der sie das totalitäre Land als Mustersozialismus gefeiert hatte, war auch ein paar Jahre her und Albaniens Enver Hoxha war ebenfalls besungen – da fuhr eine grüne Delegation nach Tripolis. Der neue Held: Gaddafi.<br />
Mit dabei: Otto Schily und der „Friedensforscher“ Alfred Mechtersheimer, der später ins braune Milieu abdriftete und angeblich eine zeitlang, wie viele andere, sogar finanziell von Gaddafi profitierte.</p>
<p>Wenn man heute über diese Reise liest (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14340873.html), wird einem der Irrsinn des mäandernen, immer und überall Halt suchenden deutschen Extremismus vor Augen geführt.</p>
<p>Die Grünen, damals noch mit der Frage befasst, ob es nicht doch etwas besseres gäbe als die schnöde bürgerliche parlamentarische Demokratie waren angefixt von Gaddafis Mao-Bibel, dem „Grünen Buch“. Darin hatte der „Wüstendenker“ („Der Spiegel“) geschrieben:</p>
<p>„Ein Parlament ist eine Mißrepräsentation des Volkes&#8220; und „parlamentarische Regierungen sind eine irreführende Lösung des Demokratieproblems&#8220;.</p>
<p>Das fand auch die Grüne Gertrud Schilling: „Die Grünen haben sich zum Ziel gesetzt, die Parlamente abzuschaffen, das heißt, direkte Demokratie zu praktizieren.&#8220;</p>
<p>Während Schily Gaddafi reserviert gegenüber trat, insbesondere dessen Angebot ablehnte, die deutsche Friedensbewegung zu finanzieren, fühlte sich Mechtersheimer in seiner selbstzugeschriebenen Rolle bestätigt „Sensibilitäten zu wecken. Wir müssen mit den arabischen Kräften zusammenarbeiten&#8220;.</p>
<p>Die Gaddafi-Connection deutscher Extremisten könnte ein Lehrstück über die Wahrhaftigkeit der „Totalitarismus“-These sein. Denn nicht nur Linke wurden von Gaddafi angezogen, sondern auch Rechte – durch die gleichen Gaddafi-Thesen und Aktivitäten. Gemeinsamer Nenner: offene (rechts) oder verkappte (grün-links) Faszination für totalitäre Herrschaftsformen, antiwestliche und antiamerikanische Ressentiments.</p>
<p>Dass Gaddafi grundsätzlich wurscht war, ob der, den er unterstützte „links“ oder „rechts“ war, ein Phänomen, das auch beim „Carlos“-Terror deutlich wurde, zeigte sich schon daran, dass er 1982 frankistische Putschisten in Spanien unterstützt hatte</p>
<p>(http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13519150.html)</p>
<p>In den Achtzigern unterstützte Gaddafi das nationalrevolutionäre braune Blatt „wir selbst“, in dem der rechtsgewendete (oder sich treu gebliebene?) Mechtersheimer schrieb.</p>
<p>Das ist lange her. Oder doch nicht? Unter den Gaddafi-Fans gab es immer welche, die unter dem Motto „Antiimperialismus“ und Antiamerikanismus für die unheimliche Kompatibilität und die Anfälligkeit ganz Linker für ganz Rechts mit braunen Einsprengeseln standen. Und einer – mindestens – ist übrig geblieben.</p>
<p>Man weiss nicht, was Jürgen Elsässer heute, prominentester Vertreter des rotbraunen Anti-Westlertums angesichts des Todes des großen Anführers des Antiimperialismus heute macht – trägt er schwarz?</p>
<p>Am 21. April schrieb Elsässer in seinem Blog: „Libyen verteidigen heißt JETZT Gaddafi unterstützen!</p>
<p>Gaddafi – das war eben, wie Mao, Kim Jong-Il oder vorher Ho Chi Minh die Geschichte einer wirren, romantisierenden, sehr deutschen Geisteshaltung.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jostkaiser.wordpress.com/143/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jostkaiser.wordpress.com/143/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jostkaiser.wordpress.com/143/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jostkaiser.wordpress.com/143/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jostkaiser.wordpress.com/143/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jostkaiser.wordpress.com/143/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jostkaiser.wordpress.com/143/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jostkaiser.wordpress.com/143/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jostkaiser.wordpress.com/143/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jostkaiser.wordpress.com/143/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jostkaiser.wordpress.com/143/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jostkaiser.wordpress.com/143/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jostkaiser.wordpress.com/143/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jostkaiser.wordpress.com/143/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=143&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Die Kulturkampf-Parodie</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Sep 2011 12:06:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jost Kaiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Papstbesuch Benedikt "Generation Benedikt" Neo-Christen Linkspartei Reinhild rössler]]></category>

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		<description><![CDATA[Papst Benedikt in Deutschland – eine der selten gewordenen Möglichkeiten für die Protagonisten beider Seiten, ihr Profil zu schärfen. Und eine Minderheitenveranstaltung: Die meisten Deutschen interessiert der Besuch gar nicht. Im Zusammenhang mit dem Thema Plebiszit hat der Historiker Heinrich &#8230; <a href="http://jostkaiser.wordpress.com/2011/09/20/die-kulturkampf-parodie/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=137&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Papst Benedikt in Deutschland – eine der selten gewordenen Möglichkeiten für die Protagonisten beider Seiten, ihr Profil zu schärfen. Und eine Minderheitenveranstaltung: Die meisten Deutschen interessiert der Besuch gar nicht.</em></p>
<p>Im Zusammenhang mit dem Thema Plebiszit hat der Historiker Heinrich August Winkler vor einer „Herrschaft aktivistischer Minderheiten“ gewarnt, die, gut organisiert, die Themensetzung bestimmen.</p>
<p>Wir haben die „Herrschaft der aktivistischen Minderheit“ schon bei Stuttgart 21 erlebt – wahrscheinlich. Das wird ja in einem Volksentscheid, der übrigens eine rechtlich irrelevante Fragestellung zum Inhalt hat und der von dieser hysterisierten Gruppe erzwungen wurde, ja in Kürze geklärt.</p>
<p>Jetzt erleben wir die aktivistische Minderheit wieder: laut Forsa halten 86 Prozent der Befragten die Deutschlandreise Joseph Ratzingers vom 22. bis zum 25. September für eher unwichtig oder überhaupt nicht wichtig. Selbst unter den Katholiken hält sich der Anteil derjenigen, die den Besuch aus dem Vatikan für wichtig halten, mit lediglich 36 Prozent in Grenzen:</p>
<p>Dennoch beherrscht das Thema Papstbesuch die gedruckten und sendenden Medien. Von Spiegel und Stern bis hin zu „Hart aber Fair“.</p>
<p>Die „aktivistische Minderheit“ besteht aus zwei scheinbar antagonistischen Gruppen, die sich ähnlicher sind als sie glauben und die voneinander profitieren, ja nahezu wie Pech und Schwefel aneinanderkleben:</p>
<p>radikalen Papst- und Kirchengegnern mit bekannten Thesen auf der einen Seite und einem neochristlichen Milieu auf der anderen Seite.</p>
<p>Die jetzt medial ausgetragene Schlacht Pro und Contra Papst entspringt nicht einer von der Mehrheit der Deutschen empfundenen Notwendigkeit, sie entspringt ausschließlich dem Bedürfnis der Protagonisten, sich über den Papstbesuch lautstark zu entzweien, in der medialen Klopperei das narzistische Ego zu stärken und sich so etwas wie eine klar abgrenzbare lebensweltliche Identität einzureden. Dadurch hat der Glaube gleichzeitig eine mediale Präsenz, die er im realen Leben der überwältigenden Mehrheit der Bundesbürger seit Jahrzehnten nicht mehr hat. Alle gewinnen also.</p>
<p>Das Bedürfnis beider Seiten ist nachvollziehbar: einer Partei, die sich nicht mal darauf einigen kann, ob der Mauerbau Unrecht war, bietet der Papstbesuch zum Beispiel die seltene Gelegenheit, im Bundestag mit theatralischer Geste des Auszugs im gemeinsamen Feindbild Einigkeit zu demonstrieren und einen „Reaktionär“ zu boykottieren – der Boykott Israels hatte sich sogar in diesem Milieu überraschenderweise nicht als identitätsstiftend herausgestellt.</p>
<p>Die Protagonisten der Neochristen hingegen haben sich einer zumeist harmlosen, sich antimodern und rebellisch gebenden, in Wahrheit aber topmodernen Kritik des „Zeitgeistes“ und des „Relativismus“ verschrieben – ohne zumeist im Traum daran zu denken wirklich mit einem katholischen Lebensstil ernst zu machen.</p>
<p>Ein anderer Teil dieses Milieus zieht aus der freiwilligen Selbstbeschränkung des harten Katholizismus einen romantischen, schwärmerischen Impuls – es ist kein Wunder, dass viele dieser Protagonisten sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen haben („Generation Benedikt“) mit vielen Charakteristika, die schon frühere Jugendbewegungen ausmachten: Star-Anschmachterei, die Idee einer von der Mehrheit unverstandenen und diskriminierten Minderheit anzugehören, Ablehnung eines &#8222;Mainstream&#8220;, Avantgarde- Bewusstsein. Auch das: topmodern und keineswegs „wider den Zeitgeist“, wie viele &#8222;Benedikt&#8220;-Vertreter unablässig behaupten. Sondern ganz im Gegenteil: es gibt kaum etwas, das in Talkshows gefragter wäre.</p>
<p>Auch das Ankämpfen gegen eine angeblich verkommene, sinnentleerte Moderne, die „keine Moral mehr hat“ („Benedikt“-Aktivistin Reinhild Rössler im Deutschlandfunk) gehörte schon zur Grundausstattung früherer Jugendbewegungen.</p>
<p>Die Demoskopie widerlegt Woche um Woche zwar die These vom Werteverfall – aber leider vergeblich. Die Behauptung vom Werteverfall begleitet die Moderne, seit es sie gibt.</p>
<p>Für Papstfans wie –gegner gibt es eine schlechte Nachricht: aufgerundete 100 Prozent der Deutschen interessiert der Trubel nicht.</p>
<p>Die Parodie eines Kulturkampfes, die wir gerade erleben, letztlich auch die Harmlosigkeit der verbalen Klopperei, macht uns klar, dass wir in Wahrheit in einem befriedeten, weil säkularisierten Land leben: kein Katholik setzt in den Talkshows seine körperliche Unversehrtheit aufs Spiel, weil er den Papst verehrt.</p>
<p>Und gerade deshalb muss man auch daran denken, dass in anderen Ländern das eine Tatsache ist, was hier nur theatralisch aufgeführt wird: Religion als todernste Angelegenheit.</p>
<p>Der Papst kommt als Oberhaupt einer Kirche, führt uns aber die Vorteile des Säkularismus vor Augen.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jostkaiser.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jostkaiser.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jostkaiser.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jostkaiser.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jostkaiser.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jostkaiser.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jostkaiser.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jostkaiser.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jostkaiser.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jostkaiser.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jostkaiser.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jostkaiser.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jostkaiser.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jostkaiser.wordpress.com/137/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=137&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Unter langen Haaren, der Muff von tausend Jahren. Unangenehme Geschichte: Der Historiker Götz Aly</title>
		<link>http://jostkaiser.wordpress.com/2011/09/08/unter-langen-haaren-der-muff-von-tausend-jahren-eine-unangenehme-geschichte-der-historiker-gotz-aly/</link>
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		<pubDate>Thu, 08 Sep 2011 16:04:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jost Kaiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Götz Aly ist der Dokumentarist deutscher Kontinuitäten. Im Furor der Achtundsechziger erkannte er (ähnlich wie Richard Löwenthal schon 38 Jahre vorher) – auch – eine Wiederauflage des Nazi-Terrors. Darüber konnte auch das ganze Gekiffe, Rockmusikgehöre und von den Nazis leicht &#8230; <a href="http://jostkaiser.wordpress.com/2011/09/08/unter-langen-haaren-der-muff-von-tausend-jahren-eine-unangenehme-geschichte-der-historiker-gotz-aly/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=123&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Götz Aly ist der Dokumentarist deutscher Kontinuitäten. Im Furor der Achtundsechziger erkannte er (ähnlich wie Richard Löwenthal schon 38 Jahre vorher) – auch – eine Wiederauflage des Nazi-Terrors. Darüber konnte auch das ganze Gekiffe, Rockmusikgehöre und von den Nazis leicht abweichende Haartrachten nicht hinwegtäuschen: unter den langen Haaren, der Muff von tausend Jahren.</p>
<p>Den viel gelobten Sozialstaat, den größten deutschen Fetisch (von Bismarck und den Nazis erfunden), würdigte er als Ruhigstellungsinstrument eines totalitären Regimes, ja als Mittel, einen Vernichtungskrieg durchzusetzen.</p>
<p>Das besondere an Aly war immer, dass man seine Bücher nicht beruhigt in den Schrank stellte und ein „Nie Wieder“ murmelte in der sicheren Erkenntnis, der neue Mensch zu sein, der alles weiß, alles durchdrungen hat und in einer gänzlich neuen Welt lebte.</p>
<p>Und so geht es einem auch mit Alys neuestem Buch: „Warum die Deutschen, warum die Juden?“ Es ist die Fragen aller Fragen und die Beantwortung wurde von Anfang an ins Transzendente verlegt. Erst sollten die Deutschen angeblich von Hitler verführt worden sein – was einfach eine negative Umdeutung des kurz zuvor noch positiven Führermythos und der angeblichen Zauberkräften Hitlers war.</p>
<p>Dann kamen die Großerklärungen: viel war vom „deutschen Sonderweg“ die Rede, der „verspäteten Nation“, der Dysfunktion eines deutschen Bürgertums, das von Anfang an staatsgläubig war und dem es an Selbstbewusstsein und erst recht an einer erfolgreichen Revolutionserfahrung mangele – angeblich ist dieser Makel ja 1989 mit der so genannten „friedlichen Revolution“ (obwohl Revolutionen per definition „gewaltsame Umstürze“ sind) geheilt worden. Auch so ein deutscher Sonderweg.</p>
<p>Irgendwann in den achtziger Jahren und erst recht in den Neunzigern wurde der Holocaust ganz entsorgt und positiv umgedeutet zur deutschen Staatsräson ins Reich der Sonntagsreden. Mit ihm wurden nun auch Kriegseinsätze begründet – und die Kritik an ihnen.</p>
<p>Aly hält von diesen Großerklärungen wenig (obwohl er dann zum Teil auf sie zurückgreift). Er erklärt den Judenmord mit Neid. Eine zurückgebliebene deutsche Gesellschaft, überrollt von den Modernisierungsschüben des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sieht in den Juden die Gewinner des neuen individualisierten, industrialisierten Zeitalters.</p>
<p>Damit wurden sie zur idealen Zielscheibe in einer Nation, die von Anfang an die individuelle Freiheit gering schätzt und das Kollektiv idealisiert. Ein historischer Defekt, der sie vom „Westen“ unterscheidet. Um diesen Hang zu erklären, greift Aly dann allerdings wieder auf Großtheorien zurück: es geht eben dann doch um die „verspätete Nation“, um den Einfluss der französischen Besatzung unter Napoleon, um die Defekte des Bürgertums.</p>
<p>Unangenehm ist diese Analyse auch für die deutsche Linke, inklusive der Sozialdemokratie. Aly stellt fest: „Die historische Verbindungslinie zwischen sozialdemokratischer Massenmobilisierung in der Kaiserzeit und späteren Erfolgen der NSDAP“ läge darin, dass in „historisch tragischer Verkettung“ die Linken „indirekt die innere Bereitschaft von Millionen deutschen Arbeitern, die Partei Hitlers zu wählen“ gefördert hätten und zwar durch die „Zwischentöne ihrer antikapitalistischen Programmatik“. Diese verstärkten ein Gefühl, „dass die Juden als besonders agiler Teil der bürgerlichen Klasse, stark genug seien, sich selber gegen Angriffe zu wehren“ und einen „Dämpfer seitens der ‚kleinbürgerlichen’ Antisemiten durchaus vertragen könnten“.</p>
<p>Dazu kam die Janusköpfigkeit des linken Gerechtigkeitsgedankens: „Ich kann mich nicht freuen, wenn andere nichts haben – ich kann mich nicht freuen, wenn andere mehr haben“. Dieser Gedanke, so schreibt Aly, „stachelte zum Neid auf“ und förderte einen Faktor, der das „Entstehen der modernen Judenfeindschaft in Deutschland immer wieder aufs Neue beförderte“.</p>
<p>Wer sich mittels der Lektüre von Alys Buch mit den verheerenden Wirkungen von Neid und dem deutschen Kollektivwahn beschäftigt, dem klingen zeitgenössische Formulierungen von einer angeblich anzustrebenden „inneren Einheit“ in Deutschland, der omnipräsenten „sozialen Gerechtigkeit“, der ewigen Polemik gegen „Reiche“ und der „Anpassung der Lebensverhältnisse“ zumindest unangenehm in den Ohren. Denn dieses Sonntagsreden-Gerede ist die aktuelle Variante der Gemeinschaftssehnsucht der Deutschen. Das seltsame ist, dass die Deutschen, obwohl längst im Westen angekommen und täglich die Wonnen einer liberalen Gesellschaft genießend einfach von einer kulturpessimistischen, antiliberalen Rhetorik nicht runterkommen. Es ist ein deutsches Hobby.</p>
<p>Bei gewissen Teilen des gesellschaftlichen Spektrums, muss man sich jetzt schon ernste Sorgen machen: ist es Zufall, dass in dem Teil der deutschen Linken, die sich die Linke nennt, der Kollektivwahn nicht selten gepaart ist mit einer obsessiven „Israelkritk“? Ist es Zufall, dass der Sprachsound dieser „Linken“ dem der NPD zuweilen sehr ähnlich ist?</p>
<p>Wer Aly liest, stellt sich ein paar Fragen. Und sieht Kontinuitäten, die er lieber verdrängt hätte. Das ist Alys Verdienst.</p>
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		<title>Westerwelle: Wie lange noch?</title>
		<link>http://jostkaiser.wordpress.com/2011/08/26/wie-lange-noch/</link>
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		<pubDate>Fri, 26 Aug 2011 08:23:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jost Kaiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[westerwelle libyen lene espersen mützenich spd fdp kohl f-16 dreistigkeit peinlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Meisterdiplomat ist das neue Gesicht des deutschen Nationalpazifismus: Inkompetenz reicht ihm einfach nicht. Es muss noch Dreistigkeit dazukommen. erschienen in &#8222;The European&#8220;. Können sie irgendeine Idee, irgendeinen Satz, irgendeine Tat aufzählen der Außenminister Steinmeier oder Kinkel? Bei Fischer fällt &#8230; <a href="http://jostkaiser.wordpress.com/2011/08/26/wie-lange-noch/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=119&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Meisterdiplomat ist das neue Gesicht des deutschen Nationalpazifismus: Inkompetenz reicht ihm einfach nicht. Es muss noch Dreistigkeit dazukommen.</strong></p>
<p>erschienen in &#8222;The European&#8220;.</p>
<p>Können sie irgendeine Idee, irgendeinen Satz, irgendeine Tat aufzählen der Außenminister Steinmeier oder Kinkel? Bei Fischer fällt einem nur ein Zitat ein: „I’m not convinced“. Bei Genscher weiß man nur, dass er wohl irgendwie legendär sein soll.</p>
<p>Aber beim besten Willen kann man sich nicht an die konkreten Taten erinnern, die zu der Legende geführt haben. Er war lange im Amt. Die Legende speist sich aus purem Durchhaltevermögen. Sonst: nichts.</p>
<p>Und genau das ist es: so muss es sein. Der deutsche Außenminister ist ein bequemer Posten, bei dem man nicht viel falsch machen kann, wenn man ein paar vernünftige, über sechzig Jahre erprobte Regeln befolgt: Westbindung, transatlantische Beziehungen, Freundschaft mit Frankreich, immer schön kollektiv agieren, nie allein. Schrille Töne vermeiden. Bescheidenheit.</p>
<p>Dass man sich also an sehr viel erinnern kann, was Guido Westerwelle in seiner bisherigen, zwei Jahre währenden Amtszeit vollbracht hat ist deshalb kein Kompliment. Es ist eine Katastrophe. Eine erwartbare Katastrophe. Er hat inzwischen eherne Regeln deutscher Außenpolitik verletzt. Er agierte gegen Frankreich und die USA, er posaunte Ankündigungen heraus, was er im Sicherheitsrat in der Syrien-Frage alles durchsetzen wollte, Ergebnis: Null.</p>
<p>Und nach dem Komplettversagen beim Thema Libyen im März, stellt er sich nun seit ein paar Tagen in die erste Reihe, um denjenigen, die das Leben ihrer Soldaten riskiert haben, wohlfeile Tipps zu geben aus dem Hochsitz des deutschen Neo-Pazifisten.</p>
<p>Erst war es totale Inkompetenz bei gleichzeitiger Selbstüberschätzung und ungebremsten Sendungsbewusstsein. Seit neuestem kommt auch noch Dreistigkeit dazu. Und Helmut Kohl, der das Treiben im Bundeskanzleramt und an Guidos Katzentisch, dem Außenministerium, offensichtlich auch nicht mehr ertragen kann.<br />
An eine Grundpeinlichkeit hatte man sich ja schon über Jahre schon gewöhnt. Der Tag, an dem Guido Westerwelle Hobbyaußenminister wurde, offensichtlich als ein Vehikel der persönlichen Selbstvollendung, war ein schwarzer Tag für Deutschland.</p>
<p>Wie wirkt das Schaffen Westerwelles in Frankreich oder Großbritannien? Wie wirkt das auf Lene Espersen? Die Außenministerin des kleinen Dänemarks, die wackeren Dänen schickten F-16-Jets nach Libyen, sagte damals auf CNN, sie sei „stolz“ an der Befreiung Libyens mitwirken zu können. Stolz ist natürlich auch wieder mal Guido Westerwelle. Jeder habe seinen Beitrag zum Sturz des libyschen Diktators geleistet. Deutschlands Beitrag seien eben die Sanktionen gewesen, sagt der Mann, dessen Mitarbeit bei der Befreiung Libyens sich exakt beziffern läßt: auf Null.</p>
<p>Es wird im Augenblick viel über den Untergang des bürgerlichen Selbstverständnisses und dessen parlamentarischer Vertretung geredet. Neben der CDU ist das die FDP. Dass Westerwelle im März ein ehernes Gesetz deutscher Politik, nicht gegen Frankreich, einer der wichtigsten außenpolitischen Pfeiler der Bundesrepublik, in die Tonne getreten hat, war ein bisher nicht genügend gewürdigter Teil der Selbstdemontage des bürgerlichen Lagers.</p>
<p>Wer damals die Debatten im Bundestag verfolgt hat, bekam ein altbekanntes deutsches Phänomen zu Gesicht: wenn die „Bürgerlichen“ versagen, springen Teile der Sozialdemokratie, wie immer unter Schmerzen und innerer Zerrüttung, in die Bresche. Und so waren es Heidemarie Wieczorek-Zeul und der Rolf Mützenich, die im Plenum am heftigsten für den Libyen-Einsatz plädierten.</p>
<p>Man mag die Totalblamage des Hobbyaußenministers  für das Ergebnis der Überforderungen des Amateurs halten. In Wahrheit steckt in Westerwelle das Gen des deutschen Nationalpazifismus, der alles andere als harmlos ist, sondern den alten Größenwahn umgetütet hat nach dem Motto: &#8222;Früher erklärten die Deutschen der Welt den Krieg, heute die Moral&#8220; (Wolfgang Pohrt).</p>
<p>Erst andere die Drecksarbeit machen lassen und dann strickt darauf achten, dass diejenigen, die er quasi der Kriegstreiberei bezichtigt hat, nun ja in Libyen beim Wiederaufbau deutsche Moralstandards einhalten.</p>
<p>Einst wollte die FDP ein Ministerium abschaffen. Es war das falsche. Das richtige wäre das gewesen, wo jetzt Guido in Riesenstaatsmannspose Außenminister simuliert. Wie lange müssen wir Guido Westerwelle noch ertragen?</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jostkaiser.wordpress.com/119/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jostkaiser.wordpress.com/119/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jostkaiser.wordpress.com/119/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jostkaiser.wordpress.com/119/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jostkaiser.wordpress.com/119/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jostkaiser.wordpress.com/119/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jostkaiser.wordpress.com/119/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jostkaiser.wordpress.com/119/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jostkaiser.wordpress.com/119/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jostkaiser.wordpress.com/119/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jostkaiser.wordpress.com/119/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jostkaiser.wordpress.com/119/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jostkaiser.wordpress.com/119/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jostkaiser.wordpress.com/119/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=119&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Was will uns die Natur damit sagen?</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Mar 2011 11:53:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jost Kaiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Papst führt ja bekanntlich einen Krieg gegen den „Relativismus“ und bietet, wie sollte er anders, als Immunisierung den unhinterfragbaren und unantastbaren Gott und als dessen irdische Vorfeldorganisation die katholische Kirche an. In den westlichen Gesellschaften mit mäßigem Erfolg. Die &#8230; <a href="http://jostkaiser.wordpress.com/2011/03/14/was-will-uns-die-natur-damit-sagen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=98&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Papst führt ja bekanntlich einen Krieg gegen den „Relativismus“ und bietet, wie sollte er anders, als Immunisierung den unhinterfragbaren und unantastbaren Gott und als dessen irdische Vorfeldorganisation die katholische Kirche an. In den westlichen Gesellschaften mit mäßigem Erfolg. Die Mühlen der Säkularisierung mahlen einfach weiter.<br />
Doch wer meint, mit dem Erkalten der christlichen Religionen, auch kurzzeitig aufkommende modische Hinwendungen, etwa zum Katholizismus bestätigen dessen Niedergang, sei auch die Sehnsucht nach dem Absoluten geschwunden, der irrt.<br />
Es hat sich im gesellschaftlichen Unterbewusstsein bestimmter Milieus eine Idee von Exzess und dessen Bestrafung etabliert, die dem Katholizismus ähnlich ist, aber einer anderen absoluten Instanz Herrschaft über Leben und Tod zugesteht: „Die Natur“ hat den strafenden Gott abgelöst.</p>
<p>Sicherlich hat die Idee, dass wir durch unseren Lebensstil in hochindustrialisierten Ländern nicht mehr „im Einklang mit der Natur“ leben und „die Natur“ sich rächt ihren Ausgangpunkt in der Öko-Bewegung der Achtziger Jahre. Aber sie hat sich tief festgesetzt, sie ist Teil der Populärkultur: Fast alle Katastrophenfilme spielen mit diesem Thema, die filmische Zerstörung hochgezüchteter Megastädte sehen wir mit einer Mischung aus Lust und Schrecken.  Es ist ein seltsames Sündenbewusstsein vorhanden: Wir leben, wie wir leben, aber ab- und zu werden wir dafür bestraft.</p>
<p>Nach diesem Schema kommt auch jetzt angesichts der japanischen Katastrophe bei einigen Blog-Kommentaren fast schon eine Apokalypsesehnsucht auf, ein seltsamer Unterton, in dem insgeheim bejaht wird, dass eine hochindustrialisierte Nation wie Japan am Ende mit der ganzen menschgemachten Technologie das absolute, „die Natur“ nicht hat aufhalten können. Wenigstens eine Sicherheit: es gibt keine. Wir sind Spielbälle, nicht handelnde Subjekte – einige scheint das zu beruhigen.</p>
<p>Der &#8222;Spiegel&#8220; sieht das Ganze auch so und titelte (bevor er, in einer zweiten Cover-Variante &#8222;Das Ende des Atomzeitalers&#8220; ausrief): &#8222;Der feindliche Planet&#8220;. Mensch und Umwelt also als Feinde, die Natur als Lebewesen, das straft.</p>
<p>Die Variante dieser Idee, nämlich dass der sich selbst ermächtigende Mensch mit seiner Zivilsation das eigentliche Problem ist, hat sich ebenfalls in der Populärkultur und der Kunst ausgebreitet. Am Berliner S-Bahnhof Savignyplatz befindet sich eine Kunstinstallation aus den achtziger Jahren, die den Raubbau an der Natur beklagt. Motto: „Wir sind die Hautkrankheit der Erde“.</p>
<p>Der Mensch als Krankheit. Nun, Krankheiten müssen bekämpft, ja ausgerottet werden: Muss der Mensch sich selbst bekämpfen? Wenn die Natur das Gesetz, das absolute ist, wo beginnt dann das „Unnatürliche“. Sind nicht Städte an sich, ja die Zivilisation „unnatürlich“?</p>
<p>Aber die Natur ist auch ein Lehrmeister, so denkt sich das der Hobby-Naturtheoretiker Herbert Grönemeyer. Wenn wir nur die Lektionen, die uns „die Natur“ erteilt, annehmen, wird’s uns allen hinterher besser gehen. Natürlich muss als erstes – wie immer – der Kapitalismus dran glauben, der größte Sündenfall überhaupt:</p>
<p>„Die Natur nimmt das Heft in die Hand. Schlägt beinhart zurück. Schickt die Geldgier in Katastrophen. Zwingt uns zu unserem Glück“.</p>
<p>So textet der so genannte Herbie im Lied „Chaos“, das er wohl als eine Art reinigendes Gewitter für die gesamte Menschheit herbeisehnt.</p>
<p>Das werden die Japaner beglückt zur Kenntnis nehmen: Bauen Atomkraftwerke, neben dem Kapitalismus der zweite große zivilisatorische Sündenfall für die singende und malende Sozialdemokratie, einfach ans Meer. Aber die Natur wird jetzt die Japaner und dann auch uns zu unserem Glück zwingen.</p>
<p>Die Apokalypse – sie ist einfach nicht totzukriegen. Darüber nachzudenken, was uns die Natur wohl sagen will, ist vor allem Hobby von Leuten, die sonst keinen mehr haben, mit dem sie sprechen können.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jostkaiser.wordpress.com/98/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jostkaiser.wordpress.com/98/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jostkaiser.wordpress.com/98/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jostkaiser.wordpress.com/98/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jostkaiser.wordpress.com/98/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jostkaiser.wordpress.com/98/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jostkaiser.wordpress.com/98/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jostkaiser.wordpress.com/98/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jostkaiser.wordpress.com/98/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jostkaiser.wordpress.com/98/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jostkaiser.wordpress.com/98/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jostkaiser.wordpress.com/98/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jostkaiser.wordpress.com/98/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jostkaiser.wordpress.com/98/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=98&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Der Guttenberg-Käßmann-Komplex</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Feb 2011 10:34:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jost Kaiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[bundeskanzler]]></category>
		<category><![CDATA[europäischer kulturpreis für zivilcourage]]></category>
		<category><![CDATA[guttenberg]]></category>
		<category><![CDATA[käßmann]]></category>
		<category><![CDATA[plagiat]]></category>
		<category><![CDATA[roland koch]]></category>

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		<description><![CDATA[Beinahe wäre es soweit gewesen: Da hätte man sich wohl zu der Erkenntnis durchringen müssen, man selbst sei der Geisterfahrer und nicht die anderen. Am 4.3.2011 sollte Margot Käßmann den „europäischen Kulturpreis für Zivilcourage“ erhalten. Begründung: Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende habe &#8230; <a href="http://jostkaiser.wordpress.com/2011/02/23/der-guttenberg-kasmann-komplex/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=89&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beinahe wäre es soweit gewesen: Da hätte man sich wohl zu der Erkenntnis durchringen müssen, man selbst sei der Geisterfahrer und nicht die anderen. Am 4.3.2011 sollte Margot Käßmann den „europäischen Kulturpreis für Zivilcourage“ erhalten. Begründung: Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende habe „ohne Rücksicht auf falsche Konventionen oder gesellschaftliche Zwänge, couragiert ihre Meinung vertreten“.<br />
Doch die Preisverleihung an die Frau, die noch nie eine bessere Investition tätigte als letztes Jahr in ein paar Whiskys, wurde abgesagt. Käßmann fällt also aus. Dann kam allerdings gleich Nachschub an Anschauungsmaterial dafür, wie Popularität heute geht: Guttenberg. Der Minister hat, da wäre er auch Kandidat für den „europäischen Kulturpreis“ sozusagen „ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Zwänge“ seine Doktorarbeit zu großen Teilen abgeschrieben.<br />
Die Gemeinsamkeit der Beiden: Wie Käßmann, die ihre ungeheure Popularität durch den Rücktritt, der ja Folge eines eindeutigen Fehlverhaltens war, begründete, schadet Guttenberg die Affäre bisher in den Umfragen keineswegs. Nur: Bei Guttenberg funktioniert das Ganze sogar ohne Rücktritt.<br />
Beim Auftritt im hessischen Kelkheim, in Anwesenheit von einem, der sich mit so was auskennt, Roland Koch, zeigte sich Guttenberg voll auf der Höhe einer Disziplin, die ihm, der neuen Art des „homo politicus“ ja angeblich so fremd ist: Spin Doctoring, die Umdeutung der Ereignisse.<br />
Die Tricks des Spin Doctoring sind uralt, aber sie funktionieren. Schon 1968 sprach Nixon von der „schweigendem Mehrheit“, und schaffte es das „System Washington“ und den medial-politischen Komplex dort als abgehoben, elitär, weltfremd und verbissen hinzustellen, sich selbst hingegen, als Mann des Volkes. Guttenberg hat es in Kelkheim genauso gemacht und da ist er wiederum ein Schüler Helmut Kohls, der jahrzehntelang gut davon lebte, dass „die Hamburger Kampfpresse“ und die „selbsternannten Eliten“ ihn kurz vor dem Untergang wähnten – ein maßlose Selbstüberschätzung all der selbsternannten Sturmgeschütze der Demokratie – während ihn das Wahlvolk, wie er mehrheitlich mit Vorbehalten gegen alles Städtische ausgerüstet, stützte.<br />
Man kann gegen Guttenberg alles Mögliche vorbringen, zum Beispiel aktuell das für jeden offensichtliche. Man kann es aber auch lassen. Denn was soll man sagen gegen ein Argument, das letztlich so funktioniert wie der Werbeslogan eines bekannten Versandhauses: Guttenberg? Find’ ich gut.<br />
Man könnte darüber spekulieren, ob die ungeheure Zustimmung zu Guttenberg reziprok ist zum gleichzeitigen Phänomen des Politikerhasses, wie er bei Stuttgart-21 zum Ausdruck kam. Die Idee, Politiker grundsätzlich für das Allerletzte zu halten und dem einen Auserwählten andererseits nahezu alles zu verzeihen, ihm also grundsätzlich alles zuzuschreiben, was man allen anderen abspricht – das hängt eng miteinander zusammen.<br />
Aber das ist alles Spekulation. Als Resümee der Ereignisse, die einmal als nahezu prototypisches Drama des politischen Skandals in die Geschichte eingehen wird, bleibt:<br />
Guttenberg ist noch da, weil man ihn braucht. Wäre es anders, wäre er längst weg. Eine Kabinettsumbildung war nicht in Merkels Interesse.<br />
Die Affäre wird ihm evtl. sogar noch nützen: Jetzt hat Guttenberg sich das angeeignet, was die harte Währung der Politik ist: Standfestigkeit. Und er hat ein Bündnis geschlossen gegen „die in Berlin“ und gibt seinen Anhängern obendrein ein Machtgefühl: sie strotzten – mit ihm zusammen und mit ihm an der Spitze – dem sonst als übermächtig empfundenen medial-journalistischen Komplex.</p>
<p>Es gibt nur ein Resümee: Der Mann ist auf gutem Weg zum Kanzler.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jostkaiser.wordpress.com/89/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jostkaiser.wordpress.com/89/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jostkaiser.wordpress.com/89/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jostkaiser.wordpress.com/89/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jostkaiser.wordpress.com/89/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jostkaiser.wordpress.com/89/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jostkaiser.wordpress.com/89/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jostkaiser.wordpress.com/89/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jostkaiser.wordpress.com/89/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jostkaiser.wordpress.com/89/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jostkaiser.wordpress.com/89/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jostkaiser.wordpress.com/89/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jostkaiser.wordpress.com/89/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jostkaiser.wordpress.com/89/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=89&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Politik und Show</title>
		<link>http://jostkaiser.wordpress.com/2010/12/14/politik-ist-show/</link>
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		<pubDate>Tue, 14 Dec 2010 09:27:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jost Kaiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Das schlimmste, was einem Politiker in Deutschland passieren kann, ist, dass ihm unverblümtes Streben nach Macht vorgeworfen wird. Denn in Deutschland, dem Land der späten Demokratie, bevorzugt man eher das verblümte Streben nach Macht. So läuft das auch jetzt wieder &#8230; <a href="http://jostkaiser.wordpress.com/2010/12/14/politik-ist-show/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=87&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das schlimmste, was einem Politiker in Deutschland passieren kann, ist, dass ihm unverblümtes Streben nach Macht vorgeworfen wird. Denn in Deutschland, dem Land der späten Demokratie, bevorzugt man eher das verblümte Streben nach Macht.</p>
<p>So läuft das auch jetzt wieder im Fall Guttenberg. Der Mann inszeniere sich, alles seine eine konsistente PR-Strategie. Ziel: Bundeskanzleramt.</p>
<p>Die „Süddeutsche“ wirft dem Verteidigungsminister vor, aus dem „Dienstgeschäft eine Show“ zu machen, übt Stilkritik an Stefanie zu Guttenbergs Karohemd und stellt die ganze Aktion des Truppenbesuchs irgendwie in Zusammenhang mit der Audienz eines feudalen Herrschers bei seinen Untertanen. Die FAZ warnt Guttenberg, er müsse aufpassen, dass er nicht „für Thomas Gottschalk gehalten&#8220; werde.</p>
<p>Es ist interessant, dass von links bis rechts über Guttenbergs mit charismatischen Bildern arbeitende PR die Nase gerümpft wird. Und zwar mit dem „Show“-Vorwurf. Ein Grund ist, dass es eine amerikanische Bildsprache ist, die Guttennberg benutzt. Wir kennen ähnliche Bilder von amerikanischen Präsidenten oder Verteidigungsministern, die sich beim Truppenbesuch auch gern mal eine Camouflage-Jacke überziehen oder gar in Pilotenuniform auf Flugzeugträgern landen. Guttenberg kopiert diese Bildsprache eines „Commanders-in-Chief“.</p>
<p>Für Deutsche, die sich als Welt-Lehrmeister des Pazifismus aufspielen („Friedensmacht Deutschland“) muss diese Verknüpfung von Militärischem und Politischem, und dann auch noch in dieser amerikanisch geprägten Bildsprache eine einzige Provokation sein:</p>
<p>Schließlich sind wir auch noch die Hochburg des aus kulturellen Überlegenheitsgefühlen gespeisten Anti-Amerikanismus. Der Vorwurf der „Show“, also der Oberflächlichkeit, ist die Grundsubstanz, aus der sich dieser kulturelle Anti-Amerikanismus immer schon speiste. Er bedeutet: Inszenierung ist immer notwendigerweise</p>
<p>Oberflächlichkeit. Wer inszeniert ist ein Manipulierer.</p>
<p>Nicht nur, dass ausgerechnet Claudia Roth diesen Vorwurf („Eigen-PR“) erhob, die neulich noch von angemessen vielen Kameras dabei gefilmt wurde, wie sie einen legalen Atommülltransport blockierte – und das gar nicht gekonnt hätte, wäre aus Amerika in den Sechzigern nicht die geniale Erfindung des ausschließlich auf PR ausgerichteten „Sit-ins“ zu uns gekommen.</p>
<p>Oder dass Andrea Nahles sagt, dies sei „Staatsschauspielerei“ – und dabei ein Wort benutzte, dass ausgerechnet Helmut Schmidt zur Beschreibung des eigenen Tuns als Politiker verwendete. Und zwar in der Absicht, für die Unausweichlichkeit der Inszenierung in der Politik einen halb selbstironischen Begriff zu finden.</p>
<p>All dies ist peinlich.</p>
<p>Darüber hinaus steht es, neben dem Anti-Amerikanismus, aber auch noch für ein verquastes Politikverständnis: Guttenberg inszeniert sich.</p>
<p>Ja, und? Durch ihn erhalten deutsche Soldaten, die aufgrund eines Parlamentsbeschlusses, also „von uns“, dem Volk, legal entsandt wurden zum ersten mal die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Insofern ist, wie nicht selten in unserer Demokratie, Eigennutz und öffentliches Interesse in Einklang gebracht.</p>
<p>Nehmen wir an, Guttenberg positioniert sich für den Lauf ins Kanzleramt.</p>
<p>Ja, und?</p>
<p>Macht ist in der Demokratie Regeln unterworfen und eingeschränkt. Die verquaste Idee, Machtstreben insgesamt hätte etwas Unmoralisches, ist vollkommen falsch. Gäbe es kein Machtstreben mehr, dann gäbe es keine Demokratie mehr, denn auch Demokratie braucht Leute, die Macht ausüben wollen und sie deshalb anstreben.</p>
<p>Wie sie dies tun ist, solange dies legale Mittel sind, ist egal. Guttenbergs medienaffine Strategie ist eine mögliche Form.</p>
<p>Und sie ist mitnichten unsympathsicher oder unmoralischer als jene Show von Leuten, die sich als machtskeptisch inszenierten und deshalb die viel nervigere Show veranstalteten: die so genannte „Glaubwürdigkeit“ – jene von all den Engholms, Raus und Süßmuths und Roths verfolgte Strategie, die auch eine Inszenierung ist, nur nicht so heißt und deren Protagonisten, siehe Engholm, nicht selten grandios gescheitert sind.</p>
<p>Politik braucht Inszenierung und Emotionalisierung. Guttenberg liefert sie. Bisher hat sie dem Land mitnichten geschadet.</p>
<p>Es ist zu einem öden journalistischen Reflex geworden, Inszenierungen allzeit zu &#8222;entlarven&#8220; und die &#8222;wahre Strategie&#8220; dahinter zu &#8222;demaskieren&#8220;. In dieser Welt der Zyniker ist es gar nicht vorgesehen, dass jemand wirklich, so wie Guttenberg es sagt, zum Beispiel den lebensgefährlichen Einsatz der Bundeswehrsoldaten würdigen und seine Verbundenheit zum Ausdruck bringen will und dabei – warum nicht – auf inszenierte Bilder nicht verzichtet.  Zyniker sind dazu verdammt anzunehmen, dass alle anderen auch Zyniker sind.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jostkaiser.wordpress.com/87/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jostkaiser.wordpress.com/87/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jostkaiser.wordpress.com/87/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jostkaiser.wordpress.com/87/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jostkaiser.wordpress.com/87/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jostkaiser.wordpress.com/87/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jostkaiser.wordpress.com/87/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jostkaiser.wordpress.com/87/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jostkaiser.wordpress.com/87/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jostkaiser.wordpress.com/87/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jostkaiser.wordpress.com/87/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jostkaiser.wordpress.com/87/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jostkaiser.wordpress.com/87/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jostkaiser.wordpress.com/87/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=87&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Willkommen im Israel-Gefühl</title>
		<link>http://jostkaiser.wordpress.com/2010/11/24/willkommen-im-israel-gefuhl/</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Nov 2010 09:52:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jost Kaiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer jegliche Illusion über die wehrhafte Demokratie verlieren will, muss dort hingehen, wo das gehobene Volk, gern in Form des altklugen Oberstudienrates spricht: Die Terrorwarnung des Innenministers sei nichts anderes als der Versuch vom Sozialabbau in Deutschland abzulenken. So hätten &#8230; <a href="http://jostkaiser.wordpress.com/2010/11/24/willkommen-im-israel-gefuhl/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=79&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer jegliche Illusion über die wehrhafte Demokratie verlieren will, muss dort hingehen, wo das gehobene Volk, gern in Form des  altklugen Oberstudienrates spricht: Die Terrorwarnung des Innenministers sei nichts anderes als der Versuch vom Sozialabbau in Deutschland abzulenken. So hätten es die Mächtigen ja immer gemacht. In etwa so klang es aus diversen Call-In-Sendungen zum Beispiel des Deutschlandfunks, so tönt es aus den Kommentarspalten der Tageszeitungen, so ist das Credo im angeblich politisierten Milieu, das sich in Wahrheit komplett ins Irrationale geflüchtet hat und nur noch hysterisierbar ist, wenn es um Atomkraft geht, die in Wirklichkeit eine zweitrangige Streitfrage in diesem Land darstellt.<br />
Angst wird in Deutschland nur empfunden, wenn sie garantiert abstrakt ist und keinerlei konkrete Gefahr für Leib und Leben darstellt: Klimawandel, Waldsterben, Gen-Essen, Google Street View: Hier war das deutsche Bürgertum in höchste Aufregung versetzt. Beim Terror hingegen, der eine wirkliche Bedrohung darstellt, versagen die Instinkte des Bürgers. Das hat klare Ursachen: Jahrzehntelang war Deutschland unter dem Schutzschild der Amerikaner, eine Weltprovinz, in der in diesem Käseglockenklima allerlei Absurdes gedacht und gefordert wurde, vom Nato-Ausstieg bis hin zur These, Deutschland sei eine „formale Demokratie“, also keine, wenn nicht gleich ein faschistischer Staat.<br />
Dieser Unsinn blühte, weil für Verteidigung der Freiheit, damals also die Abwehr der totalitären Gefahr aus dem Osten, die USA zuständig waren. Deshalb ist es hierzulande nie zu einem wirklichen Bewusstsein gekommen, dass Freiheit bedroht sein könnte. „Freiheit“ – das hält man hierzulande immer noch für überdrehte Rhetorik und pathetischen Kitsch aus Amerika, viele haben immer noch Probleme den Begriff &#8222;freiheitlich-demokratische Grundordnung&#8220; ohne den ironischen Unterton des linksliberalen Schlaumeiers auszusprechen, der weiß: das ist ein kampfbegriff aus dem Arsenal der Sonntagsredner, in Wahrheit gibt es gar keine Freiheit.<br />
Die Deutschen haben in diesem Zusammenhang nie verstanden, dass die Bedrohung Israels nur eine Stellvertreterauseinandersetzung ist, die uns nicht „wegen der Geschichte“ angeht, sondern weil Israel zwar die größte Provokation für islamistische Apokalyptiker darstellt, aber nicht hauptsächlich wegen der Religion, sondern weil Israel ein Vorposten westlicher Lebensart in einer despotisch geprägten Region ist, mit allem drum und dran: Meinungsfreiheit, sexuelle Freiheit, Konsum, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Wahlfreiheit. Israel ist nur ein Vorposten. Wir sind das Hinterland. Alles, was Israel passiert, wird irgendwann auch uns passieren. Der Krieg des apokalyptischen Islam richtet sich gegen unsere Lebensart, der Raum der „Dekadenz“, wie die totalitär ausgerichteten Krieger es empfinden, zieht sich von Nordamerika über Europa bis hin zu Indien, Ozeanien und zu den asiatischen Demokratien.  Es wird in Zukunft vielleicht noch eine Hierarchie der Ziele geben, aber wer meint, darauf bauen zu können, Israel und USA zuerst, dann kommen zum Glück erst irgendwann wir, der irrt. Und der ist feige. Feigheit und Schwäche provoziert die auf den Endkampf und auf Todessehnsucht fixierten Apokalyptiker übrigens erst recht. In diesem Zusammenhang wäre die in der Tat martialische Anmutung von Bundeswehr-Soldaten im Kampfanzug vor Bahnhöfen und Flughäfen, die gerade wieder als „absurd“ verworfen wurde, vielleicht weniger sicherheitspolitisch, aber symbolisch richtig: Diese Art von Martialität wäre ein starkes Symbol für die wehrhafte Demokratie, ein Symbol für uns und ein Signal, darf man sagen, sagen wir es ruhig so: An den Gegner, denn der ist jedenfalls nicht durch Polizei mit lustigen Basecaps zu beeindrucken, sondern durch die Symbolik des Kampfes.<br />
Jedenfalls sollten wir uns bereits darauf einstellen, dass wir das israelische Lebensgefühl, es kann immer und überall passieren, sehr bald, wenn auch nicht vielleicht ähnlich ausgeprägt, wohl adaptieren müssen. Wir werden eine Balance finden müssen, unser freiheitlich geprägtes öffentliches Leben aufrechtzuerhalten und Angst zu empfinden, aber diese nicht übermächtig werden zu lassen.<br />
Ja, es kann überall passieren, es kann jeden treffen. Willkommen im Israel-Gefühl.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jostkaiser.wordpress.com/79/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jostkaiser.wordpress.com/79/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jostkaiser.wordpress.com/79/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jostkaiser.wordpress.com/79/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jostkaiser.wordpress.com/79/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jostkaiser.wordpress.com/79/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jostkaiser.wordpress.com/79/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jostkaiser.wordpress.com/79/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jostkaiser.wordpress.com/79/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jostkaiser.wordpress.com/79/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jostkaiser.wordpress.com/79/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jostkaiser.wordpress.com/79/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jostkaiser.wordpress.com/79/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jostkaiser.wordpress.com/79/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=79&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Suttgart 21 ist Adolf 33 – wie durchgeknallte Bürger den einst verpassten Widerstand nachholen</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Oct 2010 11:05:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jost Kaiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Idee, dass, wer die Vergangenheit nicht wiederholen will, sich an sie erinnern muss – in Deutschland sollte man von ihr Abstand nehmen. Hierzulande erinnert man sich quasi täglich an Adolf und die Seinen – und genau das scheint inzwischen &#8230; <a href="http://jostkaiser.wordpress.com/2010/10/08/suttgart-21-ist-adolf-33-%e2%80%93-wie-durchgeknallte-burger-den-einst-verpassten-widerstand-nachholen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=74&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Idee, dass, wer die Vergangenheit nicht wiederholen will, sich an sie erinnern muss – in Deutschland sollte man von ihr Abstand nehmen. Hierzulande erinnert man sich quasi täglich an Adolf und die Seinen – und genau das scheint inzwischen das Problem zu sein.</p>
<p>Da wird den Israelis empfohlen, sie sollen endlich aus der Geschichte lernen und das neue Warschauer Ghetto, den Gazastreifen, öffnen.</p>
<p>Da sind Tierversuchslabors das neue Auschwitz.</p>
<p>Man muss heute feststellen, dass die sogenannte Geschichtsaufarbeitung bei nicht wenigen Teilen der Bevölkerung gescheitert. Sie wird als Startfreigabe für bestenfalls Blödsinn, schlimmstenfalls Irrsinn benutzt.</p>
<p>Denn egal, ob es um einen als ungerecht empfunden Strafzettel geht oder jetzt gerade um das Verhindern von Stuttgart 21 – die Deutschen holen gern an Fronten, wo auch die bundesdeutsche Staatsmacht zugegen ist, den Widerstand nach, den sie &#8217;33 versäumt haben.</p>
<p>Diese Schmach quält sie im Unterbewußtsein. Den Selbsthass kriegen dann andere ab. Dann ist die baden-württembergische Bereitschaftspolizei die SS. Mappus wäre dann wohl Adolf. Nur die SPD fällt aus der Rolle: sie hat dem Stuttgart-21-Ermächtigungsgesetz zugestimmt.</p>
<p>So, oder so ähnlich sieht die Sache stellvertretend für viele andere zum Beispiel für die &#8222;Parkschützerin&#8220; Beate Papp aus, die auf ihrer Unterstützerseite vom schweren Abwehrkampf gegen die Diktatur berichtet. Nicht nur ein Hauch von Tränengas, ein Hauch von Geschichte liegt für die hysterisierte Frau in der Luft, wenn sie schreibt:</p>
<p>&#8222;Das Mundtotmachen durch pure Gewalt erinnert mich an das, was ich zum Glück bisher nur aus Geschichtsbüchern kannte. Bisher.&#8220;</p>
<p>Welche &#8222;Geschichtbücher&#8220; Frau Papp zuhause hat wissen wir nicht. Wenn sie welche hat, dann hat sie sie nicht verstanden. Jedenfalls hindern sie die Frau Papp nicht, sich in eine virtuelle Gegenwart hineinzufantasieren, in der ausgerechnet im Stuttgarter Schlosspark &#8222;den Anfängen gewehrt wird&#8220;.</p>
<p>Der Glücksgewinn muss enorm sein, wenn man zum Beispiel Beate Papp heißt aber, tief in sich drin, die Sophie Scholl spürt.</p>
<p><a href="http://www.parkschuetzer.de/parkschuetzer/27380">Frau Papp und der Widerstand</a></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jostkaiser.wordpress.com/74/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jostkaiser.wordpress.com/74/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jostkaiser.wordpress.com/74/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jostkaiser.wordpress.com/74/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jostkaiser.wordpress.com/74/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jostkaiser.wordpress.com/74/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jostkaiser.wordpress.com/74/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jostkaiser.wordpress.com/74/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jostkaiser.wordpress.com/74/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jostkaiser.wordpress.com/74/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jostkaiser.wordpress.com/74/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jostkaiser.wordpress.com/74/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jostkaiser.wordpress.com/74/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jostkaiser.wordpress.com/74/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=74&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Verschwurbelte Lyrik der DDR: Was heißt das? Karat: Schwanenkönig.</title>
		<link>http://jostkaiser.wordpress.com/2010/09/27/verschwurbelte-lyrik-der-ddr-was-heist-das-karat-schwanenkonig/</link>
		<comments>http://jostkaiser.wordpress.com/2010/09/27/verschwurbelte-lyrik-der-ddr-was-heist-das-karat-schwanenkonig/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 27 Sep 2010 09:22:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jost Kaiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Es neigte ein Schwanenkönig seinen Hals auf das Wasser hinab. Sein Gefieder war weiß wie am ersten Tag, rein wie Sirenenton. Und im Glitzern der Morgensonne sieht er in den Spiegel der Wellen hinein, und mit brechenden Augen weiß er: &#8230; <a href="http://jostkaiser.wordpress.com/2010/09/27/verschwurbelte-lyrik-der-ddr-was-heist-das-karat-schwanenkonig/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jostkaiser.wordpress.com&amp;blog=10530537&amp;post=69&amp;subd=jostkaiser&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="text-align:center; display: block;"><a href="http://jostkaiser.wordpress.com/2010/09/27/verschwurbelte-lyrik-der-ddr-was-heist-das-karat-schwanenkonig/"><img src="http://img.youtube.com/vi/9LQiLwc2Lis/2.jpg" alt="" /></a></span>
<p><em><strong>Es neigte ein Schwanenkönig</strong></em></p>
<p><em><strong>seinen Hals auf das Wasser hinab.</strong></em></p>
<p><em><strong>Sein Gefieder war weiß wie am ersten Tag,</strong></em></p>
<p><em><strong>rein wie Sirenenton.</strong></em></p>
<p><em><strong>Und im Glitzern der Morgensonne</strong></em></p>
<p><em><strong>sieht er in den Spiegel der Wellen hinein,</strong></em></p>
<p><em><strong>und mit brechenden Augen weiß er:</strong></em></p>
<p><em><strong>Das wird sein Abschied sein.</strong></em></p>
<p><em><strong>Wenn ein Schwan singt, schweigen die Tiere.</strong></em></p>
<p><em><strong>Wenn ein Schwan singt, lauschen die Tiere.</strong></em></p>
<p><em><strong>Und sie raunen sich leise zu, raunen sich leise zu:</strong></em></p>
<p><em><strong>Es ist ein Schwanenkönig, der in Liebe stirbt.</strong></em></p>
<p><em><strong>Und es begann der Schwanenkönig</strong></em></p>
<p><em><strong>zu singen sein erstes Lied,</strong></em></p>
<p><em><strong>unter der Trauerweide,</strong></em></p>
<p><em><strong>wo er sein Leben geliebt.</strong></em></p>
<p><em><strong>Und er singt in den schönsten Tönen,</strong></em></p>
<p><em><strong>die man je auf Erden gehört,</strong></em></p>
<p><em><strong>von der Schönheit dieser Erde,</strong></em></p>
<p><em><strong>die ihn unsterblich betört.</strong></em></p>
<p><em><strong>Wenn ein Schwan singt, schweigen die Tiere.</strong></em></p>
<p><em><strong>Wenn ein Schwan singt, lauschen die Tiere.</strong></em></p>
<p><em><strong>Und sie raunen sich leise zu, raunen sich leise zu:</strong></em></p>
<p><em><strong>Es ist ein Schwanenkönig, der in Liebe stirbt.</strong></em></p>
<p><em><strong>Und es singt der Schwanenkönig</strong></em></p>
<p><em><strong>seinen ganzen letzten Tag,</strong></em></p>
<p><em><strong>bis sich die Abendsonne</strong></em></p>
<p><em><strong>still ins Dunkelrot flieht.</strong></em></p>
<p><em><strong>Lautlos die Trauerweide</strong></em></p>
<p><em><strong>senkt ihre Blätter wie Lanzen hinab.</strong></em></p>
<p><em><strong>Leiser und leiser die Töne,</strong></em></p>
<p><em><strong>bis das letzte Licht im Gesang verglüht.</strong></em></p>
<p><em><strong>Wenn ein Schwan singt, lauschen die Tiere.</strong></em></p>
<p><em><strong>Wenn ein Schwan singt, schweigen die Tiere.</strong></em></p>
<p><em><strong>Und sie neigen sich tief hinab, raunen sich leise zu:</strong></em></p>
<p><em><strong>Es ist ein Schwanenkönig, der in Liebe stirbt.</strong></em></p>
<p>Was dabei herauskommt, wenn einem die Zensur im Nacken sitzt: nichts Gutes. Höchstverschwurbelte Märchenlyrik, die irgendwas heißen soll, was man nicht sagen darf, oder auch nicht. Dafür war die DDR-Band Karat gefürchtet: da hagelt es von Albatrossen, Schwanenkönigen und blauen Stunden.</p>
<p>Und was heißt das nun? Nehmen wir den Schwanenkönig.</p>
<p>Der Schwanenkönig ist ein nicht näher bezeichnetes Ich in der DDR.<br />
Jemand Schillerndes, Charismatisches, viellleicht sogar eine Person des öffentlichen Lebens.</p>
<p>Etwa der kurz vorher ausgebürgerte Wolf Biermann? Schwer vorstellbar. Denn das war ja schon der Schwallkönig.</p>
<p>Wäre es 1968, die Sache wäre klar: Dubcek, die Hoffnung auf einen besseren Sozialismus wäre der Schwanenkönig.</p>
<p>Doch wir sind in der DDR 1980, kein Dubcek, nur Erich und Egon.</p>
<p>Der Text handelt vom vorhersehbaren Scheitern dieses also nicht näher zu bezeichnenden schillernden Individuums, denn Indiviualität ist im Sozialismus nicht gefragt. Vielleicht ist es aber auch die Idee vom &#8222;Sozialismus mit menschlichem Antlitz&#8220; die scheitert.</p>
<p>Der Schwan geht an den Verhältnissen zugrunde, ohne dass die Stasi da schon direkt nachgeholfen hätte.<br />
Vielleicht hat sie aber auch &#8222;Zersetzungsmaßnahmen&#8220; durchgeführt, so daß der Schwan Selbstmord begeht, getrieben von Spitzeln, Denunziantentum und der allgemeinen Hoffnungslosigkeit. Was macht das für einen Unterschied? Auch bei der RAF soll das ja angeblich egal gewesen sein: Selbstmord=Mord, hieß es damals.</p>
<p>Weiteres: Wenn der Schwanenkönig singt, “schweigen” die anderen Tiere und “raunen” sich etwas zu.<br />
Ein klarer Hinweis auf die DDR als Gesellschaft der Schweiger aus Angst und eingebildetem oder realem Druck. Vielleicht wird sogar vorrauseilend geschwiegen, obwohl ein bisschen Aufmüpfigkeit durchaus drin gewesen wäre. Die raunende Gesellschaft – eine grauenhafte Vorstellung.</p>
<p>Sie “raunen” sich etwas zu? Warum denn, wenn der Schwanenkönig so toll ist und vielleicht sogar ein besserer erster Sekrtär des ZKs der SED und Vorsitzender des Staatsrates der DDR als Erich?</p>
<p>Ein bisschen Mum und vielleicht hätte es auch einen Schwanenkönig in der DDR geben können, so wie in der Sowjetunion, wo Gorbi diese Rolle übernahm.</p>
<p>So oder so: Ob sie schweigen, beeindruckt vom tollen Schwan oder aus Angst vor der Stasi, es hat etwas Obrigkeitsgläubiges, Geknicktes, Verzwergtes.</p>
<p>Ein düsteres Bild des Unterdrückungssystems der DDR, das Karat da zeichnen.</p>
<p>Und zweifellos feiner gestrickt als &#8222;Haut die Bullen platt wie Stullen&#8220;, das damals den von der Band Slime den Stand politischer Lyrik im Westen markierte.</p>
<p>War Karat aber am Ende die raffinierteste Waffe der Stasi, um die Osthirnhe langsam aber sicher durch wabernden Rockbombast und schmierige Lyrik zu zersetzen?</p>
<p>Wir werden es nie erfahren.</p>
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